
Sie war 81 Jahre alt und lebte in einem Pflegezentrum. Wir wissen noch nicht mehr über sie, aber wir hoffen, dass sie ein erfülltes Leben hatte. Wie so viele Frauen hat sie ganz bestimmt viel von sich selbst gegeben, hat sich um andere gekümmert (oder kümmern müssen). Jetzt war sie im Pflegezentrum und hätte die letzten Jahre ihres Lebens geniessen können. Andere Menschen hätten sich um sie gekümmert.

Unsere Schwester hätte gerettet werden können. Doch die Schweizer Gesellschaft weigert sich immer noch, hinzuschauen. Politik, Instagram-Kommentare, Medien: Immer wieder wird nach Zahlen und mehr Studien gefragt. Reine Rauchpetarden! Wer hinschaut und hinhört, weiss schon lange: Der gefährlichste Ort für Frauen ist in der Schweiz das Zuhause. Männer morden aus Besitzdenken (und der Gedanke, eine Frau könne ohne sie weiterleben, ist ihnen unerträglich), weshalb gerade ältere Frauen in heterosexuellen Beziehungen besonders gefährdet sind.
In was für einer Gesellschaft leben wir, die zulässt, dass die Hälfte der Bevölkerung täglich um ihr Leben fürchten muss? In der es normalisiert wird, dass Schusswaffen zuhause aufbewahrt werden?
Der Tod unserer Schwester in Baden war viel zu früh und vermeidbar. Sie hätte es verdient gehabt, friedlich einzuschlafen. Doch ihr Mörder hat ihr nicht einmal das gegönnt, er wollte sogar kontrollieren, wann und wie sie starb. Wir sind traurig und wütend. Unser Mitgefühl geht an all diejenigen, die sie geliebt haben.
Wir kämpfen weiter! Bis das Patriarchat fällt, bis keine* von uns mehr sterben muss!

