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Was ist Faschismus? Und warum wir ihn heute benennen

Was ist Faschismus?

Faschismus ist eine politische Ideologie, die gegen Demokratie und Sozialismus errichtet wurde. Erstmals wurde der Begriff 1919 von Benito Mussolini für das diktatorische Regierungssystem Italiens verwendet, an dessen Spitze er stand. Dieser italienische Faschismus diente als Vorbild für den Nationalsozialismus in Deutschland.

Typische Merkmale von Faschismus sind ein extremer Führerkult, der mit einer totalitären Herrschaft einhergeht, eine nationalistische und völkische Ideologie und eine militärisch organisierte Partei. Strategisch verstärkt wird er unter anderem durch Propaganda und Antiintellektualismus.

Faschismus heute

Doch Faschismus ist kein rein historisches Phänomen. Im Zuge des Rechtsrucks kommen sowohl in den USA als auch in Europa ultrarechte Parteien an die Macht, in deren Regierungen sich faschistische Tendenzen erkennen lassen.

Der heutige Faschismus baut besonders auf Kapitalismus und Neoliberalismus und somit auf einem individualistischen, besitzorientierten Weltbild. Er zeigt sich auch in restriktiver und rassistischer Grenz- und Migrationspolitik. Gleichzeitig werden antifaschistische Bewegungen zunehmend kriminalisiert.

Warum wir es benennen

Über heutige Regierungen als faschistisch zu sprechen, wird kritisiert. Doch die Benennung kann helfen, Faschismus früh genug zu erkennen, bevor er zur Normalität wird.

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Was bedeutet FLINTA*?

Begriff und Herkunft

FLINTA* ist ein Akronym und steht für: Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen. Der Begriff wird häufig verwendet, um zu benennen, wer in bestimmten Räumen und bei Veranstaltungen willkommen ist. Er entstand aus feministischen und queeren Auseinandersetzungen darüber, wer in feministischen Bewegungen sichtbar ist und wessen Erfahrungen berücksichtigt werden. Frühere Bezeichnungen wie «FrauenLesben» oder «Frauen*» wurden zunehmend erweitert, weil sie nicht alle Menschen und Lebensrealitäten erfassten, die von patriarchalen Strukturen betroffen sind.

Ein umstrittener Begriff

FLINTA* soll unterschiedliche Erfahrungen mit Sexismus und patriarchaler Gewalt sichtbar machen, ohne alle Menschen unter der Kategorie «Frau» zusammenzufassen. Trotzdem ist der Begriff auch umstritten. Er kann Unterschiede und Machtverhältnisse innerhalb feministischer und queerer Bewegungen unsichtbar machen, wenn wir davon ausgehen, dass alle FLINTA*-Personen dieselben Erfahrungen teilen. Auch darf FLINTA* nicht einfach als Synonym für «Frauen» verwendet werden, da dadurch insbesondere trans Männer ausgeschlossen werden können.

Was das für unsere Kämpfe bedeutet

Für unsere feministischen Kämpfe bedeutet das, Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Erfahrungen ernst genommen werden und in denen wir Ausschlüsse und Diskriminierungen auch innerhalb unserer Bewegungen hinterfragen. FLINTA* ist keine einheitliche Identität, sondern eine politische Bezeichnung, deren Bedeutung und Grenzen wir gemeinsam reflektieren müssen. Denn solidarischer Widerstand gegen patriarchale Gewalt bedeutet auch, die Vielfalt unserer Lebensrealitäten anzuerkennen und unsere Kämpfe miteinander zu verbinden.

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Feminizide in der Schweiz

Was sind Feminizide?

Feminizide sind Morde an FLINTA-Personen, weil sie FLINTA sind. Im Durchschnitt wird in der Schweiz alle zwei Wochen eine FLINTA-Person getötet. Dieses Jahr zählen wir bereits 18 Feminizide (Stand: 15. Oktober 2026).

Keine offizielle Statistik

In der Schweiz gibt es keine offizielle Statistik, die Feminizide erfasst. Aktuelle Zahlen werden von Aktivist*innen durch Recherchearbeit anhand von Medienbeiträgen festgehalten. Dort werden Feminizide allerdings nie beim Namen genannt, sondern umschrieben oder verharmlost. Wir müssen von einer hohen Dunkelziffer ausgehen.

Die Spitze des Eisbergs

Feminizide sind die tödliche Spitze des Eisbergs patriarchaler Gewalt, die in unserer Gesellschaft tief verankert ist und unzählige Gesichter hat. Sexualisierte Gewalt, Stalking, Mansplaining und die fehlende Anerkennung von Care-Arbeit sind nur einige Beispiele. Oft werden diese Formen patriarchaler Gewalt in unserer Gesellschaft ignoriert.

Ein System, das Feminizide ermöglicht

Die Polizei nimmt Betroffene nicht ernst, die Justiz und der Staat schützen lieber Täter als Betroffene. Sie haben keine Priorität, FLINTA-Leben zu schützen, und sind Teil eines patriarchalen, kapitalistischen und faschistischen Systems, in welchem Feminizide ermöglicht werden.

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Wer zahlt für die Sorgearbeit? Warum unser Feminismus antikapitalistisch ist

Kapitalismus bezeichnet eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, in der Produktionsmittel überwiegend in privatem Besitz sind und die Produktion auf Gewinn ausgerichtet ist. Menschen, die keine eigenen Produktionsmittel besitzen, müssen ihre Arbeitskraft verkaufen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Der erwirtschaftete Profit kommt dabei nicht allein denjenigen zugute, die ihn durch ihre Arbeit ermöglichen. Somit ist die Ausbeutung der Arbeiter*innen verbunden mit einer Spaltung der Gesellschaft in Kapitalisten und Besitzlose. Die feministische Theoretikerin Silvia Federici erweitert diese marxistische Kapitalismuskritik um die Frage nach der Reproduktionsarbeit.

Damit meint sie unter anderem Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege.

Tätigkeiten, die Menschen versorgen und die Grundlage dafür schaffen, dass Lohnarbeit überhaupt möglich ist. Diese Arbeit wird häufig unbezahlt geleistet, gesellschaftlich abgewertet und vor allem FLINTA zugeschrieben. Für Federici ist die geschlechtliche Arbeitsteilung deshalb kein Nebenschauplatz, sondern ein zentraler Bestandteil kapitalistischer Ausbeutung.

Kapitalismus und Patriarchat sind eng miteinander verwoben: Ökonomische Abhängigkeiten und die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit können Handlungsspielräume einschränken und es erschweren, sich aus gewaltvollen Verhältnissen zu lösen.

Wenn wir Feminizide und patriarchale Gewalt bekämpfen wollen, müssen wir deshalb auch die gesellschaftlichen Strukturen hinter ihnen hinterfragen.

Unser antikapitalistischer Feminismus kämpft für eine Gesellschaft, in der Sorgearbeit anerkannt und gerecht verteilt wird und in der Menschen nicht durch finanzielle Abhängigkeiten und Ausbeutung an ihrer Selbstbestimmung gehindert werden. Unsere Befreiung bedeutet auch, die Verhältnisse zu verändern, die uns voneinander abhängig machen und gegeneinander ausspielen.

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Kein*e ist frei bis wir alle frei sind

Mit unserer Parole beziehen wir uns auf das Zitat von Audre Lorde: «Ich bin nicht frei, solange eine einzige Frau unfrei ist, auch wenn sie ganz andere Ketten trägt als ich. Und ich bin nicht frei, solange auch nur eine einzige Person of Color in Ketten liegt.» Es erinnert uns daran, dass es keine wirkliche Freiheit für Einzelne gibt, solange andere Menschen weiterhin Gewalt und Diskriminierung erfahren. Auch dann nicht, wenn sich einige aufgrund ihrer Privilegien frei fühlen. Das Zitat weist darauf hin, dass wir, wenn wir Feminizide wirksam bekämpfen wollen, auch Kapitalismus, Rassismus, Imperialismus, Ableismus und weitere gewaltvolle Strukturen überwinden müssen und queerfeministische, antirassistische und antikapitalistische Kämpfe miteinander verbinden müssen.

Wir können erst aufhören zu kämpfen, wenn wir es geschafft haben, alle Formen von Unterdrückung abzuschaffen. Denn solange Menschen Gewalt erleben, diskriminiert oder ermordet werden, betrifft das uns alle.

Genau deshalb ist dieses Zitat unsere Hauptparole für die Demo gegen Feminizide: Wir kämpfen nicht nur für unsere eigene Freiheit, sondern für eine Welt, in der niemand aufgrund seines Genders, seiner Identität oder race Gewalt erfahren muss. Unsere Befreiung ist untrennbar miteinander verbunden.

Audre Lorde (1934-1992) war eine Schwarze, lesbische Dichterin, Feministin und Bürgerrechtsaktivistin.

Mit ihrem Denken prägt sie feministische, antirassistische und queere Bewegungen bis heute.

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Die verankerten Strukturen des Patriarchats

Das Patriarchat ist eine Gesellschaftsform, in der cis-Männer die Vorherrschaft vor allen anderen Geschlechtern haben. Dadurch haben Männer Macht in Politik, Familie, Kultur und Wirtschaft und kontrollieren soziale Beziehungen, Werte und Normen. Im Umkehrschluss werden Menschen, die der patriarchalen Männlichkeit nicht / entsprechen, systematisch unterdrückt.

So werden FLINTA* Personen schlechter bezahlt und übernehmen mehr unbezahlte Sorgearbeit, weibliche Sexualität und Reproduktion wird kontrolliert.

Patriarchale Strukturen sind keine individuellen Einstellungen, sie sind auch heute noch institutionell verankert und prägen uns alle.

Diese Machtstrukturen führen zu patriarchaler Gewalt gegen FLINTA* Personen, die von Männern ausgeübt wird.

Dazu gehören unter anderem psychische, physische, und sexualisierte Gewalt sowie gesellschaftliche Diskriminierung.

Die tödliche Spitze dieser Gewalt sind Feminizide. Patriarchale Gewalt wird verstärkt durch Schweigen, Stigmatisierung, fehlende Prävention und fehlenden Schutz für Betroffene.

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Patriarchale Gewalt gemeinsam bekämpfen: Ni Una Menos, Frauenhaus und Mädchenhaus Zürich

NI UNA MENOS ZÜRICH

Patriarchale Gewalt

Wir als Ni Una Menos Kollektiv machen patriarchale Gewalt auf der Strasse sichtbar und schaffen Räume der kollektiven Wut und Trauer. Wir reagieren im Nachhinein, wenn eine von uns ermordet wurde.

Das Frauen- und Mädchenhaus Zürich arbeiten im Vorfeld. Sie bieten Schutzräume und Prävention, um patriarchale Gewalt zu verhindern. Auch wenn unsere Kämpfe an unterschiedlichen Punkten anknüpfen, gehören sie zusammen und ergänzen einander, denn so schützen wir uns kollektiv.

Am 21. August 2026 standen wir gemeinsam als Ni Una Menos auf dem Ni Una Menos-Platz mit Redebeiträgen vom Frauenhaus Zürich, Mädchenhaus Zürich und dem feministischen Streikkollekiv Thurgau.

Frauenhaus Zürich

Redebeitrag von Anja Derungs, Geschäftsführerin Frauenhaus Zürich

Das Hauptrisiko für Frauen, getötet zu werden, geht von einem Menschen aus, den sie kennen: vom eigenen Mann, Partner, Ex-Partner, Bruder, Schwager oder Freund – in einer bestehenden oder aufgelösten Beziehung. Feminizide passieren nicht einfach aus heiterem Himmel. Sie haben System. Es ist ein System, das Frauen missachtet, erniedrigt, tötet. Der Nährboden dafür ist unsere patriarchale Gesellschaft und fehlende Gleichstellung.

Die Frauenhausbewegung hat Gewalt gegen Frauen zu einem gesellschaftlichen Thema gemacht und die Gründung von Frauen- und Mädchenhäusern vorangetrieben. Im Frauenhaus und im Mädchenhaus finden Frauen, Mädchen und ihre Kinder Zuflucht, Schutz, Beratung und Begleitung, Unterkunft und einen sicheren Ort.

Was dieser Ort bedeuten kann, zeigt uns der Brief einer Klientin. Sie hat mir erlaubt, aus ihren Zeilen vorzulesen. Ich zitiere:

Die Zeit im Frauenhaus war für mich weit mehr als nur eine Unterkunft. Sie war ein Ort, an dem ich nach einer schweren Zeit wieder atmen, zur Ruhe kommen und langsam wieder zu mir selber finden konnte.

Hier lernte ich nicht nur Schutz und Sicherheit zu spüren, sondern vor allem Menschen, die mir mit echter Herzlichkeit, Verständnis und Mitgefühl begegnet sind.

(Auslassung im Originalbrief)

Und weiter:

In vielen Gesprächen, Momenten voller Zweifel und Angst, habt ihr mir zugehört, mich ernst genommen und mir das Gefühl gegeben, nicht allein zu sein.

(Auslassung im Originalbrief)

Und zum Schluss schreibt sie – ich zitiere wieder:

Ich bin unendlich dankbar für jedes Gespräch, jedes offene Ohr, jedes aufmunternde Lächeln, jeder ehrliche Ratschlag und jede Unterstützung, die ich in dieser schweren Lebensphase erfahren durfte. Durch euch habe ich langsam wieder Vertrauen gefasst, neue Stärke gefunden und begonnen, mich selbst und meine Zukunft zu glauben. Diese Zeit im Frauenhaus hat mich geprägt und mir die Kraft gegeben, meinen Weg gestärkt weiterzugehen. Danke an jede einzelne Person, die dazu beigetragen hat. Ihr habt einen Unterschied in meinem Leben gemacht.

Der Brief ist noch viel länger und er berührt mich jedes Mal wieder – vielen Dank an die Verfasserin! Und vielen Dank an alle Mitarbeitenden in den Frauen- und Mädchenhäuser für eure unverzichtbare Arbeit.

Auch allen Betroffenen und Überlebenden gebührt unser Respekt für ihren Mut, für ihren Widerstand gegen das patriarchale System. Ich habe oft erlebt, wie die Gewalt vor allem dann zunimmt, wenn die Frauen und Mädchen sich emanzipieren und selbstständiger werden. Und dennoch: «La femme libre», die freie Frau, ist unser Ziel.

Feminizide zu verhindern ist unbequem. Wenn wir sie verhindern wollen, müssen wir aus unserer Komfortzone raus, wir müssen das ganze System, in dem wir leben, in Fragen stellen.

«Das Patriarchat ist keine Religion, es ist kein Naturgesetz, es ist ein politisches System», sagt Rita Segato, eine der wichtigsten feministischen Intellektuellen Lateinamerikas.

Feminizide zu bekämpfen, bedeutet, dass manche Menschen ihre Privilegien und ihre Macht abgeben müssen. Widerspruch zu erheben, Verantwortung zu übernehmen, kostet Energie und Kraft.

Das Ausbrennen von Feministinnen und feministischen Aktivist*innen, oft als „Feminist Burnout“ bezeichnet, ist ein weit verbreitetes, strukturelles Problem. Es beschreibt die tiefe emotionale, geistige und körperliche Erschöpfung von Menschen, die sich gegen patriarchale Strukturen und für Gleichberechtigung und Gleichstellung einsetzen.

Deshalb darf der Kampf gegen Feminizide kein Kampf einzelner Frauen sein. Und deshalb sind wir hier und heute so viele.

Feminizide gehen uns alle an. Wir müssen alle gemeinsam alles daran setzen, Feminizide zu verhindern.

Der Kampf um körperliche Selbstbestimmung und auf ein Leben ohne Gewalt ist kein Wunsch, sondern ein Recht, ein Anspruch. Ein Anspruch an den Staat, seine Institutionen, die Politik, die Gesellschaft, an uns alle. Wenn wir nichts tun, machen wir uns zu Kompliz*innen.

Ni una menos. Keine mehr.

Mädchenhaus Zürich

Redebeitrag vom Mädchenhaus Zürich

Das Mädchenhaus Zürich richtet sich an Mädchen und junge Frauen zwischen 14 und 20 Jahren, die struktureller patriarchaler Gewalt ausgesetzt sind und Schutz brauchen. Nicht irgendwann. Nicht erst dann, wenn die Gewalt weiter eskaliert. Sondern jetzt.

Das Mädchenhaus Zürich bietet derzeit sieben Plätze an einem geheimen Ort. Einen Ort, an dem Mädchen Schutz vor weiterer Gewalt finden. Einen Ort für rechtliche Abklärungen, Stabilisierung und Zukunftsplanung.

Im Jahr 2025 konnten wir 37 Mädchen einen Platz anbieten. Diese Zahl zeigt, wie dringend Schutzplätze gebraucht werden. Aber es ist vor allem eine Zahl, die uns aufschreien lassen muss: 108 Mädchen und junge Frauen haben bei uns Schutz gesucht und keinen Platz gefunden. Das ist nicht hinnehmbar. Schutz vor Gewalt darf keine Frage der Kapazität sein.

Deshalb sind wir heute hier. Wir machen sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt: die Gewalt, die fehlenden Schutzplätze, die politische Verantwortung. Wir fordern mehr Prävention, mehr Schutz, mehr politische Aufmerksamkeit im Bereich häuslicher Gewalt.

Warum braucht es politische Sichtbarkeit?

  • Weil wir in der Schweiz zu wenig Schutzplätze haben
  • Weil wir oft damit ringen, wem wir den letzten Platz geben
  • Weil Mädchen und junge Frauen den höchsten Anteil an Opfern häuslicher Gewalt ausmachen
  • Weil das Kinderspital Zürich 2025 deutlich mehr Fälle von Kindesmisshandlung meldete
  • Weil digitale Gewalt vor allem junge Menschen betrifft
  • Weil die Anzahl der Feminizide dieses Jahr stark angestiegen ist
  • Weil der Bund 1 Milliarde Franken in die Aufrüstung steckt und 1 Million Franken für die Bekämpfung von Gewalt an Frauen aus dem Budget streicht

Wir sprechen heute über Zahlen. Aber hinter jeder Zahl steht ein Mädchen. Ein Mädchen mit Angst, mit Wünschen, mit Hoffnungen und mit dem Recht auf ein Leben ohne Gewalt.

Wir haben die Mädchen gefragt, was sie sich wünschen. Was sie erwarten. Worauf sie hoffen. Das haben sie uns gesagt:

«Ich finde es unfair, dass es zu wenig Schutzplätze für Mädchen gibt.»

«Ich wünsche mir, dass Mädchen nicht zu Spielzeugen von Männern werden und in jungen Jahren verheiratet werden.»

«Ich erwarte, dass meine Eltern freundlich sind, wenn ich verliebt bin, und mich nicht schlagen.»

«Ich erwarte, dass Kinder keine Angst vor Erwachsenen haben müssen.»

«Ich erwarte, dass Mädchen lernen, Nein zu sagen.»

Daher kommt auch unser Motto: Girls Say No.

  • Girls say no zu Gewalt.
  • Girls say no zu Rassismus.
  • Girls say no zu Diskriminierung.
  • Girls say no zu Ausgrenzung.
  • Girls say no zu einer Gesellschaft, die Mädchen nicht schützt.
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Weshalb wir Feminizide ins Zentrum unseres Kampfs stellen

Feminizide sind das tödliche Resultat einer frauen- und queerfeindlichen Gesellschaft, in der patriarchale Besitz- und Kontrollansprüche gegenüber feminisierten Personen tief verankert sind.

In den allermeisten Fällen finden Feminizide in der Schweiz im familiären-heterosexuellen Umfeld statt: Ex-Partner, Partner, Söhne, Väter, Schwiegerväter, Grossväter töten Ehefrauen, Partnerinnen, Töchter, Schwestern und Enkelinnen, weil sie das Gefühl haben, es steht ihnen zu, die Kontrolle über Frauen zu haben und über ihre Leben zu bestimmen.

Wie viele Frauen bleiben in einer gewaltvollen Beziehung, weil sie Angst haben, von ihren Partnern getötet zu werden?

Möglich sind Feminizide in einer Gesellschaft, in der die Leben von Frauen, Lesben, intergeschlechtlichen, nichtbinären, transgeschlechtlichen und agender Personen für weniger wert angesehen werden.

Die Morde an FLINTA-Personen lassen sich als die tödliche Spitze eines Eisberges patriarchaler Gewalt beschreiben: Bei einem Eisberg sehen wir einen grossen Teil nicht sogleich, da er sich unter der Wasseroberfläche befindet. Das gilt auch für die patriarchale Gewalt, die in unserer Gesellschaft tief verankert ist und unzählige Gesichter hat.

Zu diesem Eisberg gehören beispielsweise auch schlecht oder nicht bezahlte Care-Arbeit, Vergewaltigungen, Missbrauch, Übergriffe, Belästigungen, Stalking, psychische Gewalt, sexistische Witze, queerfeindliche Sprüche oder Mansplaining1.

Mit unserem Kampf wollen wir aufzeigen, dass die Ermordungen von FLINTA-Personen weder Privatsachen noch Einzelfälle sind. Ihnen liegt ein ganzes System zugrunde – ein System namens Patriarchat, das Hand in Hand mit Kapitalismus und Rassismus unterdrückt und tötet.

Uns als Ni Una Menos Zürich ist es wichtig, die lebensgefährliche Realität für FLINTA-Personen ins kollektive Bewusstsein zu bringen. Denn patriarchale Gewalt geht uns alle an. Unser feministischer Kampf ist vielfältig: Wir schreien laut, benennen und zählen Feminizide, wir organisieren Kundgebungen, Aktionen, Demonstrationen und Vorträge.

Kommt an unsere Kundgebung am 21. August!

🔗💥💜💥

Wann: 19:00 Uhr

Wo: Ni Una Menos-Platz (ehem. Helvetiaplatz), Zürich

Mit Redebeiträgen vom Frauen- und Mädchenhaus Zürich.

  1. Mansplaining: kommt vom Englischen, übersetzt wäre es ‚Herrerklärung‘ – es tritt ein, wenn ein Mann automatisch davon ausgeht, dass er aufgrund seines Geschlechts mehr über ein Thema weiss als die weiblich gelesene Person gegenüber. ↩︎
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Ein kollektiver Schrei gegen Feminizide — Ni Una Menos Zürich

Im Vorfeld des feministischen Streiks 2019 organisierte RADIA, die feministische Redaktion von Radio LoRa, gemeinsam mit F.I.S.T. (Feministisches Internationalistisches Solidarisches Treffen) am 1. Mai eine Veranstaltung mit der Feministin Natalia di Marco, die über den Kampf der Ni Una Menos-Bewegung in Argentinien berichtete.

Schnell wurde damals klar, dass Feminizide auch bei uns in der Schweiz in den Fokus des feministischen Kampfs gehören und bekämpft werden müssen. Denn in der Schweiz wird durchschnittlich alle zwei Wochen eine Frau ermordet. Jede Woche überlebt eine Frau einen versuchten Feminizid.

Bei einer Aktion im Rahmen des feministischen Streiks 2019, die im Zeichen von Ni Una Menos stand, erfuhren Aktivistinnen polizeiliche Repression. Als sich eine Aktivistin verteidigte und in der Folge angeklagt wurde, solidarisierten sich zahlreiche Aktivistinnen gegen die Kriminalisierung des feministischen Kampfs, denn ein Angriff auf eine ist ein Angriff auf uns alle!

Aus dieser Solidarität entstand das Ni Una Menos Kollektiv Zürich, das sich der weltweiten Ni Una Menos-Bewegung gegen Feminizide anschloss. Als kollektive Antwort gegen diese Repression und als Zeichen unseres Kampfs haben wir den Zürcher Helvetiaplatz in Ni-Una-Menos-Platz umbenannt.

Auch heute ist der Ni-Una-Menos-Platz der Mittelpunkt unseres Aktivismus. Auf diesem historisch wichtigen Platz linker Kämpfe tragen wir schon seit über fünf Jahren unseren Kampf gegen Feminizide in die Mitte der Stadt. Es ist der Ort, wo wir unsere Trauer kollektivieren, wo wir unsere Wut organisieren, von hier aus soll unser Schrei gegen Feminizide die Gesellschaft erreichen und die in Bewegung setzen.

Kundgebung gegen patriarchale Gewalt

Kommt an unsere Kundgebung am 21. August! 🔗💥💜💥

19:00 Uhr 📌 Ni Una Menos-Platz (ehem. Helvetiaplatz), Zürich

Broschüre Feminizide zusammengestellt von Ni Una Menos Basel

Mehr dazu findest du in der Broschüre Feminizide. Dabei handelt es sich um eine kollektiv entstandene Textsammlung über die Auswirkungen des Patriarchats in der Schweiz.

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Feminizid in Bellach: Die Medien schauen auf den Täter

In den letzten Wochen waren die schweizerischen Medien gefüllt von Berichten zum Feminizid in Bellach am 8. April 2023. Ein junger Mann hat in dieser Nacht eine 17-jährige Jugendliche ermordet. Die Ermordete und der Täter kannten sich nicht. Das ist untypisch für einen Feminizid, diese passieren oft im erweiterten, familiären Umfeld.

Die Medien berichten von der Mordlust eines Täters, der sein Opfer zufällig ausgewählt habe. Durch das Beharren auf dieser Zufälligkeit werden andere Dimensionen ausser Acht gelassen. Zum Beispiel, dass der Täter ein Mann ist, die Ermordete eine Frau. Die Tat wird so als Einzelfall dargestellt, nicht im Kontext patriarchaler Gewalt, welche allgegenwärtig ist.

Ein Beispiel aus dem Landboten. Es wird berichtet, dass die Richterin des Prozesses selbst am Schluss sagt, dass die Urteilsverkündung sich viel zu lang um den Täter gedreht hat. Und gleichzeitig reproduziert der Artikel exakt diesen Punkt: Es geht um seine Psyche, seine Täuschungen, seine Therapiekosten, seinen Tattoo-Wunsch, sein Prahlen. Die ermordete Frau existiert im Text nur als sterbender Körper. Kein Satz dazu, wer sie war.

Es ist verstörend, wie die Medien detailliert beschreiben, wie der Täter die Frau umgebracht hat. Die gleichen Medien, die Feminizide nicht benennen, beschreiben explizite Gewaltszenarien. Das ist respektlos und retraumatisierend. Diese Artikel führen zu einer Normalisierung von patriarchaler Gewalt. Und reproduzieren diese, weil keine Einordnung und Kritik der Ereignisse stattfindet!

Sie machen sich zu Komplizinnen und befestigen so die mörderische patriarchale Gewalt.

Auf wessen Seite steht ihr Medien eigentlich?

Wieso übernehmt ihr keine Verantwortung?

Wo sind in diesen Artikeln die Hilfsangebote, die Telefonnummern, wo sich Betroffene melden können?

Es gibt keine Informationen dazu. Das ist für uns ein Zeichen, dass der Schutz von FLINTA-Personen nur zweitrangig ist.

All das macht uns wütend. Deshalb sind wir heute hier auf der Strasse. Solange es Feminizide gibt und die Medien, der Staat und die Politik ihrer Verantwortung nicht nachkommen, werden wir hier sein.

Wir sind laut. Wir sind unangenehm. Wir benennen, was nicht gesagt wird. Wir sind nicht nur heute hier. Wir bleiben hier, bis keine FLINTA-Person mehr Gewalt erfahren muss.

NI UNA MENOS!

Brauchst du Hilfe?

Hol dir Hilfe bei patriarchaler Gewalt! Bist du oder deine Nachbarin, Kollegin, Angehörige von patriarchaler Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe: https://contre-les-feminicides.ch/anlaufstellen-zuerich/.