
Am 12. Mai wurde in Faoug (FR) eine Frau getötet; ihr Ehemann und ihre Mutter wurden schwer verletzt.
Unsere Gedanken sind bei der trauernden Familie und den Angehörigen. Wir senden euch viel Kraft und unser aufrichtiges Beileid. Es wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um diese Familie zu unterstützen, die bereits vor zwei Jahren ein tragisches Ereignis erlebt hat.
Wie jedes Mal, wenn wir erfahren, dass in der Schweiz eine Frau von einem Mann getötet wurde, sammeln wir die verfügbaren Informationen, um zu beurteilen, ob es sich um einen Femizid handelt oder nicht. Das ist eine intensive, schwierige Arbeit, die von rein ehrenamtlichen Gruppen geleistet wird, da die staatlichen Institutionen dies vernachlässigen, obwohl sie über alle notwendigen Informationen verfügen – was bei uns nicht der Fall ist. Eine Arbeit, ohne die niemand wissen würde, dass in der Schweiz die Mehrheit der Morde Femizide sind. Dass Feminizide Massenmorde sind, die dringende Massnahmen erfordern und die nur durch tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen gestoppt werden können. Ein Feminizid ist die Tötung einer Frau oder einer als Frau angesehenen Person aufgrund ihres Geschlechts. Unsere Erfahrung zeigt uns, dass fast alle Morde an Frauen in der Schweiz, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Femizide sind. Auch den Fall des Mordes in Faoug zählen wir als Feminizid, obwohl er nicht offensichtlich erscheint. Die Frau starb als Mutter, ermordet durch ihren eigenen Sohn. Ob ihr Geschlecht eine zentrale Rolle für die Beweggründe des Täters gespielt haben, wissen wir nicht, aber dennoch wollen wir darauf aufmerksam machen. Der Täter wurde wegen psychischer Störungen in einer psychiatrischen Einrichtung behandelt und stand unter Beistandschaft. Dieser Mord wirft Fragen an die Schweizer Institutionen und ihre Fähigkeit auf, Menschen mit psychischen Störungen und deren Umfeld zu betreuen. Denn der Abbau des Schweizer Gesundheitssystems betrifft insbesondere den Bereich der psychischen Gesundheit: zu wenig Finanzierung, Personalmangel, fehlende Begleitung und Prävention.
Je mehr uns der Kapitalismus in seine Kriege und Krisen hineinzieht, desto mehr verschlechtert sich die psychische Gesundheit der Bevölkerung. Stress und Angst gehören für die Mehrheit der Menschen in der Schweiz zum Alltag.
Wir können uns nicht auf Politiker*innen, Institutionen oder irgendeine andere Instanz verlassen, um die Situation zu verbessern. Nur durch Kampf und kollektive Organisation, durch die Schaffung solidarischer Räume können wir eine Gesellschaft aufbauen, die die Bedürfnisse aller Menschen berücksichtigt und in der Lage ist, diejenigen zu unterstützen, die Hilfe benötigen.
