In den letzten Wochen waren die schweizerischen Medien gefüllt von Berichten zum Feminizid in Bellach am 8. April 2023. Ein junger Mann hat in dieser Nacht eine 17-jährige Jugendliche ermordet. Die Ermordete und der Täter kannten sich nicht. Das ist untypisch für einen Feminizid, diese passieren oft im erweiterten, familiären Umfeld.
Die Medien berichten von der Mordlust eines Täters, der sein Opfer zufällig ausgewählt habe. Durch das Beharren auf dieser Zufälligkeit werden andere Dimensionen ausser Acht gelassen. Zum Beispiel, dass der Täter ein Mann ist, die Ermordete eine Frau. Die Tat wird so als Einzelfall dargestellt, nicht im Kontext patriarchaler Gewalt, welche allgegenwärtig ist.
Ein Beispiel aus dem Landboten. Es wird berichtet, dass die Richterin des Prozesses selbst am Schluss sagt, dass die Urteilsverkündung sich viel zu lang um den Täter gedreht hat. Und gleichzeitig reproduziert der Artikel exakt diesen Punkt: Es geht um seine Psyche, seine Täuschungen, seine Therapiekosten, seinen Tattoo-Wunsch, sein Prahlen. Die ermordete Frau existiert im Text nur als sterbender Körper. Kein Satz dazu, wer sie war.
Es ist verstörend, wie die Medien detailliert beschreiben, wie der Täter die Frau umgebracht hat. Die gleichen Medien, die Feminizide nicht benennen, beschreiben explizite Gewaltszenarien. Das ist respektlos und retraumatisierend. Diese Artikel führen zu einer Normalisierung von patriarchaler Gewalt. Und reproduzieren diese, weil keine Einordnung und Kritik der Ereignisse stattfindet!
Sie machen sich zu Komplizinnen und befestigen so die mörderische patriarchale Gewalt.
Auf wessen Seite steht ihr Medien eigentlich?
Wieso übernehmt ihr keine Verantwortung?
Wo sind in diesen Artikeln die Hilfsangebote, die Telefonnummern, wo sich Betroffene melden können?
Es gibt keine Informationen dazu. Das ist für uns ein Zeichen, dass der Schutz von FLINTA-Personen nur zweitrangig ist.
All das macht uns wütend. Deshalb sind wir heute hier auf der Strasse. Solange es Feminizide gibt und die Medien, der Staat und die Politik ihrer Verantwortung nicht nachkommen, werden wir hier sein.
Wir sind laut. Wir sind unangenehm. Wir benennen, was nicht gesagt wird. Wir sind nicht nur heute hier. Wir bleiben hier, bis keine FLINTA-Person mehr Gewalt erfahren muss.
NI UNA MENOS!
Brauchst du Hilfe?
Hol dir Hilfe bei patriarchaler Gewalt! Bist du oder deine Nachbarin, Kollegin, Angehörige von patriarchaler Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe: https://contre-les-feminicides.ch/anlaufstellen-zuerich/.
