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Événement

Demo gegen patriarchale Gewalt in Biel

Wir sehen uns am 25. November um 18.30 Uhr zu unserer mittlerweile traditionellen Fackeldemo.

Der 25. November ist der Internationale Tag gegen patriarchale Gewalt. Wir nehmen uns zu diesem Anlass die Strassen, um denjenigen zu gedenken, die dies nicht mehr tun können, und um unseren gemeinsamen Willen zu bekräftigen, alle Formen geschlechtsspezifischer Gewalt zu verhindern, egal, wo sie auftritt.

Während autoritäre und faschistische Kräfte überall an Boden gewinnen, kann unsere Antwort nur eine kollektive sein. Unser Kampf ist entschieden internationalistisch, antiimperialistisch und antikolonial und steht an der Seite der unterdrückten Völker, die für ihre Befreiung kämpfen. Wir wissen: Es sind immer dieselben, die den höchsten Preis zahlen. Frauen, Kinder und queere Menschen gehören zu den ersten Opfern der Kriege, die von den imperialistischen und kolonialen Mächten geführt werden. In Palästina beispielsweise stellen sie die grosse Mehrheit der Opfer des von Israel begangenen Völkermords dar. Im Kongo und im Sudan wird sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe und Mittel der Unterdrückung gegen mehrere Hunderttausend Menschen eingesetzt. Kriege werden auf Kosten der Körper von Frauen, Kindern und queeren Menschen geführt – das ist kein Kollateralschaden, sondern das Ergebnis von Kapitalismus und Patriarchat.

Angesichts dessen organisiert sich überall Widerstand. In Rojava widersetzen sich kurdische Frauen dem türkischen Faschismus. Die Kämpferinnen der Frauenverteidigungskräfte (YPJ) haben eine entscheidende Rolle bei der militärischen Niederlage des IS gespielt. Im Iran löst der Tod von Mahsa Jina Amini eine feministische Revolution gegen das Regime aus. Der Slogan „Jin Jiyan Azadi“ steht heute für die Emanzipation der Frauen im Kampf gegen Unterdrückung. Ob in Rojava, in Palästina, im Sudan, im Kongo oder anderswo – wir lehnen die Herrschaft über TINFA*-Personen ab. Als internationalistische Feministinnen solidarisieren wir uns mit allen Völkern, die für ihre Selbstbestimmung kämpfen, denn niemand ist frei, solange nicht alle frei sind.

Wenn wir den Blickwinkel wechseln und auf die lokale Ebene zurückkehren, wird deutlich: Auch wenn sich die Rahmenbedingungen je nach Ort unterscheidet, so liegen ihnen doch die gleichen Prinzipien der Herrschaft zugrunde. Auch hier gibt es Grund zur Wut. In der Schweiz wissen wir, dass im vergangenen Jahr gemäss den verfügbaren Statistiken alle zwei Wochen eine Frau aufgrund ihres Geschlechts getötet wurde. In diesem Jahr wurden bis Ende September bereits 18 Frauen getötet. Die Zahl der Feminizide ist aber noch viel höher, denn viele bleiben unsichtbar! Der Staat und die Medien behandeln diese Morde als Einzelfälle, doch wir wissen, dass patriarchale Gewalt durch ein System und dessen Institutionen ermöglicht wird, die Gewalt gegen TINFA-Personen normalisieren!

Ausserdem sind Feminizide nur die Spitze des Eisbergs. Patriarchale Gewalt hat viele andere Gesichter, wie zum Beispiel psychische und sexualisierte Gewalt, Kriege oder auch die unterschiedlichen materiellen Lebensbedingungen zwischen cis Männern und TINFA-Personen.* Wie lässt es sich erklären, dass ein Staat mit so vielen Mitteln wie die Schweiz keine dringenden Massnahmen ergreift, um solche Gewalttaten zu verhindern? Wie ist es möglich, dass der Nationalrat im Jahr 2025 gegen eine Erhöhung des Budgets für die Prävention von geschlechtsspezifischer und sexueller Gewalt gestimmt hat? Es bedurfte einer starken Mobilisierung der Bevölkerung, damit er schliesslich einer Aufstockung um eine Million in seinem Haushalt für 2026 zustimmte. Wie lässt es sich rechtfertigen, dass die Polizei von Morges im Juli 2026 einen Mann in ihre Reihen aufgenommen hat, der unter anderem wegen häuslicher Gewalt verurteilt worden war?

Die Antwort liegt zum Teil in der Bedeutung des Begriffs „Femizid“. Ursprünglich als „Femizide“ bezeichnet, wurde die Silbe „-ni“ hinzugefügt, um deutlich zu machen, dass es sich nicht um Morde an Einzelpersonen, sondern um Massenverbrechen handelt. Die Unterdrückung und die patriarchale Herrschaft sind für den Kapitalismus unverzichtbar. Die staatlichen Institutionen schützen das kapitalistische System unter Missachtung des Lebens von Frauen und queeren Menschen.

Diese Verachtung gegenüber Frauen und queeren Menschen lässt sich auch dadurch erklären, dass Kapitalismus und Patriarchat auf Cis-Heteronormativität und insbesondere auf der Binarität von biologischem Geschlecht und sozialem Geschlecht beruhen. Diese Binarität basiert auf ideologischen (insbesondere kolonialen), rechtlichen und medizinischen Kriterien, die alle Menschen ausschliessen, die ausserhalb der binären Normen stehen. So verstümmelt beispielsweise die Medizin weiterhin intergeschlechtliche Kinder, um ihnen ein bestimmtes biologisches Geschlecht und ein bestimmtes soziales Geschlecht zuzuweisen. Wir möchten zudem daran erinnern, dass es nach wie vor keine rechtliche Anerkennung für nicht-binäre Menschen gibt. Der Staat nutzt diese Zweigeschlechtlichkeit als Instrument, um die Gesellschaft zu organisieren, die Bevölkerung zu kontrollieren und ihre Produktivität zu steigern. So ist für Trans-Personen bereits die blosse Tatsache, dass sie existieren, ein Akt des Trotzes und des Widerstands. In einem System, in dem ihr Zugang zu Rechten, medizinischer Versorgung und Wohnraum von ihrer Konformität mit cis-Normen abhängt, in dem aber gleichzeitig der Zugang zu medizinischen Massnahmen langwierig, teuer und entmündigend ist, müssen Trans-Personen ständig neue Wege finden, um überleben und ihr Geschlecht bekräftigen zu können. Doch auch hier mischt sich der Staat ein.

In Berlin hat die Polizei am 18. Oktober 2026 das queere Gemeinschaftszentrum Casa Kua durchsucht und mehrere Personen festgenommen, unter dem Vorwand, dass Östrogenhormone illegal an die trans Frauen verteilt worden seien, die sich dort versammelt hatten. Dies stellt einen schweren Angriff auf die Trans-Community dar, wenn man bedenkt, dass dieses gemeinschaftliche Gesundheitszentrum eine Notwendigkeit in einem System ist, in dem es für viele Trans-Personen nach wie vor sehr schwierig ist, sich Hormonbehandlungen verschreiben zu lassen und diese von ihrer Krankenkasse übernehmen zu lassen.

Es ist höchste Zeit, dass der Staat und seine Institutionen aufhören, den Körper von Trans-Personen kontrollieren zu wollen, und sich stattdessen dafür einsetzen, deren Lebensbedingungen zu verbessern. Wir fordern Selbstbestimmung für Trans-/nicht binäre und intergeschlechtliche Personen, einschliesslich der Kinder, deren Grundrechte nicht erst mit der Volljährigkeit beginnen.

Trotz alledem lässt sich feststellen, dass zahlreiche alternative Hilfsangebote wie das Gemeinschaftszentrum Casa Kua in Berlin entstehen. Kollektive, Sammelaktionen, Demos, Betreuungs- und Treffzentren für trans- und nicht-binäre Menschen: Die Formen autonomer Organisation sind vielfältig und zeigen uns einmal mehr, dass die Hoffnung in unseren Händen und in der kollektiven Organisation liegt. Diese autonomen Räume zeigen uns, wie viele Formen der Widerstand gegen patriarchale Gewalt kennt.

Am 25. November wollen wir unsere unterschiedlichen Formen des Widerstands gegen patriarchale Gewalt zusammenbringen. Bei einem abendlichen Fackelspaziergang bringen wir Solidarität und Widerständigkeit in die Strassen von Biel. Die diesjährige Demonstration am 25. November setzt eine lokale Tradition hier in Biel fort. Durch die Weiterführung möchten wir eine lokale queerfeministische Bewegung stärken und Betroffene von patriarchaler Gewalt zusammenbringen. Für einen Widerstand, der über diesen Tag hinweg besteht.

Die Demonstration findet TINFA*-only statt. Diese Form soll sich an alle Personen richten, die von patriarchaler Gewalt betroffen sind. Wir sehen diese Form von Veranstaltung als wirksames Mittel gegen patriarchale Gewalt, bei dem Erholung und Stärkung geschaffen werden können. Leider führen TINFA*-only-Veranstaltungen immer wieder zum Ausschluss von Menschen, die patriarchale Gewalt erleben. Niemand wird aufgrund seines Aussehens oder seiner Geschlechtsausdrucksform ausgeschlossen oder diskriminiert, und wir verpflichten uns, die notwendigen Massnahmen zu ergreifen, sollte dies dennoch geschehen. Wir möchten diese Form der Demonstration nutzen, um miteinander zu kämpfen, nicht gegeneinander! Cis Männer sind dazu aufgefordert, sich ausserhalb der Demonstration gegen patriarchale Gewalt zu engagieren. Sie haben täglich die Möglichkeit dazu.

Für die Demonstration wird keine Bewilligung beantragt. Wir wollen unsere Präsenz auf der Strasse nicht abhängig machen von der Entscheidung repressiver Institutionen. Auf die Strasse zu gehen, unsere Erfahrungen zu teilen und für unsere Sicherheit einzustehen, ist unser Recht. Wir nehmen uns das Recht auf Widerstand, um unser Leben und das aller anderen unterdrückten Menschen zu verteidigen.

Widerstand ist vielfältig. Bringen wir unsere Widerständigkeiten zusammen! Kämpfen wir im Bewusstsein, dass wir viele sind und zusammenhalten können. Lokal und global, solidarisch miteinander, auch mit jenen, die heute nicht hier sind.

TINFA* = Akronym, das trans, intergeschlechtliche, nicht-binäre Menschen, Frauen sowie Agender-Menschen umfasst, die sich ohne Geschlechtsidentität erleben.

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Ni Una Menos ZH Aktuelles

30. Oktober 2026: Neuer Ni Una Menos Soli-Merch

Wir waren fleissig und haben neue T-Shirts und Hosen bedruckt🤫

Wann

30.10.

Freitag, 30. Oktober 2026, 17:00 bis 19:00 Uhr

Wo

Streikkiosk
Sihlquai 115, 8005 Zürich

Route planen

Am 30. Oktober sind wir am Streikikiosk (Sihlquai 115, 8005 Zürich) ab 17:00 Uhr. 

Kommt vorbei, holt euch den neuen Merch und supportet unsere Arbeit gegen patriarchale Gewalt und Feminizide! 

Ni una menos! Vivas nos queremos! ❤️‍🔥

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Blog buendnisgegenfeminizide

Was ist Faschismus? Und warum wir ihn heute benennen

Was ist Faschismus?

Faschismus ist eine politische Ideologie, die gegen Demokratie und Sozialismus errichtet wurde. Erstmals wurde der Begriff 1919 von Benito Mussolini für das diktatorische Regierungssystem Italiens verwendet, an dessen Spitze er stand. Dieser italienische Faschismus diente als Vorbild für den Nationalsozialismus in Deutschland.

Typische Merkmale von Faschismus sind ein extremer Führerkult, der mit einer totalitären Herrschaft einhergeht, eine nationalistische und völkische Ideologie und eine militärisch organisierte Partei. Strategisch verstärkt wird er unter anderem durch Propaganda und Antiintellektualismus.

Faschismus heute

Doch Faschismus ist kein rein historisches Phänomen. Im Zuge des Rechtsrucks kommen sowohl in den USA als auch in Europa ultrarechte Parteien an die Macht, in deren Regierungen sich faschistische Tendenzen erkennen lassen.

Der heutige Faschismus baut besonders auf Kapitalismus und Neoliberalismus und somit auf einem individualistischen, besitzorientierten Weltbild. Er zeigt sich auch in restriktiver und rassistischer Grenz- und Migrationspolitik. Gleichzeitig werden antifaschistische Bewegungen zunehmend kriminalisiert.

Warum wir es benennen

Über heutige Regierungen als faschistisch zu sprechen, wird kritisiert. Doch die Benennung kann helfen, Faschismus früh genug zu erkennen, bevor er zur Normalität wird.

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Was bedeutet FLINTA*?

Begriff und Herkunft

FLINTA* ist ein Akronym und steht für: Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen. Der Begriff wird häufig verwendet, um zu benennen, wer in bestimmten Räumen und bei Veranstaltungen willkommen ist. Er entstand aus feministischen und queeren Auseinandersetzungen darüber, wer in feministischen Bewegungen sichtbar ist und wessen Erfahrungen berücksichtigt werden. Frühere Bezeichnungen wie «FrauenLesben» oder «Frauen*» wurden zunehmend erweitert, weil sie nicht alle Menschen und Lebensrealitäten erfassten, die von patriarchalen Strukturen betroffen sind.

Ein umstrittener Begriff

FLINTA* soll unterschiedliche Erfahrungen mit Sexismus und patriarchaler Gewalt sichtbar machen, ohne alle Menschen unter der Kategorie «Frau» zusammenzufassen. Trotzdem ist der Begriff auch umstritten. Er kann Unterschiede und Machtverhältnisse innerhalb feministischer und queerer Bewegungen unsichtbar machen, wenn wir davon ausgehen, dass alle FLINTA*-Personen dieselben Erfahrungen teilen. Auch darf FLINTA* nicht einfach als Synonym für «Frauen» verwendet werden, da dadurch insbesondere trans Männer ausgeschlossen werden können.

Was das für unsere Kämpfe bedeutet

Für unsere feministischen Kämpfe bedeutet das, Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Erfahrungen ernst genommen werden und in denen wir Ausschlüsse und Diskriminierungen auch innerhalb unserer Bewegungen hinterfragen. FLINTA* ist keine einheitliche Identität, sondern eine politische Bezeichnung, deren Bedeutung und Grenzen wir gemeinsam reflektieren müssen. Denn solidarischer Widerstand gegen patriarchale Gewalt bedeutet auch, die Vielfalt unserer Lebensrealitäten anzuerkennen und unsere Kämpfe miteinander zu verbinden.

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Feminizide in der Schweiz

Was sind Feminizide?

Feminizide sind Morde an FLINTA-Personen, weil sie FLINTA sind. Im Durchschnitt wird in der Schweiz alle zwei Wochen eine FLINTA-Person getötet. Dieses Jahr zählen wir bereits 18 Feminizide (Stand: 15. Oktober 2026).

Keine offizielle Statistik

In der Schweiz gibt es keine offizielle Statistik, die Feminizide erfasst. Aktuelle Zahlen werden von Aktivist*innen durch Recherchearbeit anhand von Medienbeiträgen festgehalten. Dort werden Feminizide allerdings nie beim Namen genannt, sondern umschrieben oder verharmlost. Wir müssen von einer hohen Dunkelziffer ausgehen.

Die Spitze des Eisbergs

Feminizide sind die tödliche Spitze des Eisbergs patriarchaler Gewalt, die in unserer Gesellschaft tief verankert ist und unzählige Gesichter hat. Sexualisierte Gewalt, Stalking, Mansplaining und die fehlende Anerkennung von Care-Arbeit sind nur einige Beispiele. Oft werden diese Formen patriarchaler Gewalt in unserer Gesellschaft ignoriert.

Ein System, das Feminizide ermöglicht

Die Polizei nimmt Betroffene nicht ernst, die Justiz und der Staat schützen lieber Täter als Betroffene. Sie haben keine Priorität, FLINTA-Leben zu schützen, und sind Teil eines patriarchalen, kapitalistischen und faschistischen Systems, in welchem Feminizide ermöglicht werden.

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Feminizid

18. Feminizid in der Schweiz im Jahr 2026

Am 27. September hat ein Mann in Schmitten (GR) eine Frau getötet.

Von ihr sind nur die Umstände ihres Todes bekannt. Als Opfer eines Feminizids, den man nicht beim Namen nennen will, wurde ihre Leiche in einem auf einer Wiese parkierten Auto gefunden. Die Medien berichten, dass sie älter war, doch ihr Alter ist nicht bekannt. Man weiss, dass ihre Familie seit dem Nachmittag vergeblich nach ihr gesucht hatte.
Die feministische Gemeinschaft und alle, die sich im Kampf gegen patriarchale Gewalt engagieren, werden an sie und ihre Angehörigen denken.

Es scheint, dass das Opfer ihren Angreifer nur vage kannte. Auch wenn die Mehrheit der Feminiziden von (Ex-)Partnern begangen wird, finden zahlreiche geschlechtsspezifische Morde auch ausserhalb der Privatsphäre statt. Sie stehen manchmal im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt, sind durch die sexuelle Orientierung des Opfers motiviert oder durch eine männlich-dominante Ideologie. Alle werden nach derselben Logik des Eigentums begangen, die in unserer Gesellschaft als normal gilt. Wir haben gerade erfahren, dass die Polizei von Morges einen Polizisten eingestellt hat, der 2025 wegen häuslicher Gewalt verurteilt wurde. Das ist für eine auf dem Patriarchat basierende Institution nicht überraschend.

Erstaunlich wäre es, wenn man der Polizei weiterhin zutrauen würde, das Leben von Frauen, queeren Menschen und allen unterdrückten Personen zu schützen.
Was uns schützt, sind unsere feministischen Freund*innen, es ist die kollektive Organisation. Unterschätzen wir nicht die Kraft unserer kollektiven Stärke! Lasst uns zusammenkommen, um gemeinsam zu kämpfen und die Gesellschaft aufzubauen, von der wir träumen.

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Blog buendnisgegenfeminizide

Wer zahlt für die Sorgearbeit? Warum unser Feminismus antikapitalistisch ist

Kapitalismus bezeichnet eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, in der Produktionsmittel überwiegend in privatem Besitz sind und die Produktion auf Gewinn ausgerichtet ist. Menschen, die keine eigenen Produktionsmittel besitzen, müssen ihre Arbeitskraft verkaufen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Der erwirtschaftete Profit kommt dabei nicht allein denjenigen zugute, die ihn durch ihre Arbeit ermöglichen. Somit ist die Ausbeutung der Arbeiter*innen verbunden mit einer Spaltung der Gesellschaft in Kapitalisten und Besitzlose. Die feministische Theoretikerin Silvia Federici erweitert diese marxistische Kapitalismuskritik um die Frage nach der Reproduktionsarbeit.

Damit meint sie unter anderem Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege.

Tätigkeiten, die Menschen versorgen und die Grundlage dafür schaffen, dass Lohnarbeit überhaupt möglich ist. Diese Arbeit wird häufig unbezahlt geleistet, gesellschaftlich abgewertet und vor allem FLINTA zugeschrieben. Für Federici ist die geschlechtliche Arbeitsteilung deshalb kein Nebenschauplatz, sondern ein zentraler Bestandteil kapitalistischer Ausbeutung.

Kapitalismus und Patriarchat sind eng miteinander verwoben: Ökonomische Abhängigkeiten und die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit können Handlungsspielräume einschränken und es erschweren, sich aus gewaltvollen Verhältnissen zu lösen.

Wenn wir Feminizide und patriarchale Gewalt bekämpfen wollen, müssen wir deshalb auch die gesellschaftlichen Strukturen hinter ihnen hinterfragen.

Unser antikapitalistischer Feminismus kämpft für eine Gesellschaft, in der Sorgearbeit anerkannt und gerecht verteilt wird und in der Menschen nicht durch finanzielle Abhängigkeiten und Ausbeutung an ihrer Selbstbestimmung gehindert werden. Unsere Befreiung bedeutet auch, die Verhältnisse zu verändern, die uns voneinander abhängig machen und gegeneinander ausspielen.

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Feminizid

17. Feminizid in der Schweiz im Jahr 2026

Am 9. Juli 2026 wurde eine 56-jährige Frau vor der Rehabilitationsklinik in Faido, in der sie stationär behandelt wurde, getötet. Nach den bislang veröffentlichten Informationen handelt es sich bei dem mutmasslichen Täter um ihren Ex-Ehemann, einen 59-jährigen Mann, von dem sie seit langem getrennt war. Nachdem er auf sie geschossen hatte, floh er. Am nächsten Tag soll er bei einem Polizeieinsatz das Familienhaus in die Luft gesprengt haben.

Während sich heute ein Grossteil der medialen Aufmerksamkeit auf die Flucht und die Explosion sowie auf die „Probleme“ und den „Groll“ des Mannes angesichts der Trennung konzentriert, möchten wir die Person, die ihr Leben verloren hat, wieder in den Mittelpunkt rücken. Eine 56-jährige Frau. Eine Frau, die sich an einem Ort befand, an dem sie eigentlich gepflegt werden und sich sicher fühlen sollte.

Erste Zeugenaussagen deuten auf eine bereits seit einiger Zeit andauernde Trennung sowie auf offensichtliche Anzeichen von Gewalt in der Beziehung hin. Wir wissen, dass eine Trennung zu den Momenten gehört, in denen das Risiko am höchsten ist, wenn eine Person bereits Gewalt durch ihren (Ex-)Partner erleidet.

Deshalb ist es unerlässlich, weiterhin in Prävention, Opferschutz und die frühzeitige Erkennung von Gefahrenzeichen zu investieren. Wir sprechen allen Menschen, die diese Frau kannten und liebten, unser aufrichtiges Beileid aus. Seit Anfang des Jahres 2026 haben wir in der Schweiz bereits 17 Femizide registriert. Es handelt sich um den dritten bekannten Feminizid des Jahres im Tessin.

Wir fordern, dass diese Feminizide als solche benannt und als das anerkannt werden, was sie sind: eine Form struktureller Gewalt, die eine politische und institutionelle Reaktion erfordert, die ihrer Schwere gerecht wird. Sie dürfen nicht auf spektakuläre Kurzmeldungen reduziert und dann in die Archive verbannt werden, sobald der Medienrummel abgeklungen ist. Wirksame Präventions- und Schutzmassnahmen sind unerlässlich, um diesem Massaker ein Ende zu setzen.

Wir wollen nicht, dass diese Frau nur als „das Opfer von Faido“ in Erinnerung bleibt. Sie hatte eine Geschichte, Beziehungen, Angehörige und ein Leben, das es verdient hätte, weiterzugen.

Wir werden weiterhin jeden Feminizid nahmentlich bennenen, damit kein Opfer in Vergessenheit gerät. Wir werden weiterhin fordern, dass männliche Gewalt als strukturelles Problem anerkannt und behandelt wird. Wir werden unseren Kampf fortsetzen, damit jeder Mensch frei von patriarchaler Gewalt leben kann.

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Feminizid

16. Feminizid in der Schweiz im Jahr 2026

Am 8. Juli 2026 wurde eine Frau in Buchackern bei Erlen (TG) getötet.
 
Am 8. Juli wurde eine getötete Frau an ihrem Wohnort von Einsatzkräften gefunden. Sie hiess Yulia, kam aus der Ukraine und wurde mit 40 Jahren aus dem Leben gerissen.

Wir sind in Gedanken bei den trauernden Angehörigen und Freund*innen von Yulia, wir senden euch viel Kraft in dieser schweren Zeit.
 
Aus den Medien ist zu entnehmen, dass im Herbst 2025 gegen den Täter ein Annäherungsverbot verfügt wurde wegen häuslicher Gewalt.

Dass es trotz bekannter Gewalt und behördlicher Massnahmen zu dieser Tötung kommen konnte, wirft erneut die Frage auf, weshalb gewaltbetroffene FINTAs nicht wirksam geschützt werden. Häusliche Gewalt ist kein privates Problem, sondern ein gesellschaftliches und strukturelles. Wenn Warnsignale bekannt sind und Schutzmassnahmen nicht ausreichen, um Leben von FINTAs zu schützen, ist das politisches Versagen.

Feminizide geschehen nicht plötzlich. Ihnen gehen häufig Drohungen, Kontrolle, Stalking oder körperliche Gewalt voraus.

Dass Frauen und genderqueere Menschen trotz bekannter Gefährdung immer wieder ermordet werden, zeigt: Auf staatliche Schutzmassnahmen können wir uns nicht verlassen.

Wir werden deshalb nicht nur weiterhin politische Verantwortung einfordern, sondern müssen auch unsere eigenen solidarischen Strukturen stärken. Es braucht Gemeinschaften, die hinschauen, Betroffenen glauben, Warnsignale ernst nehmen und sich gegenseitig unterstützen und schützen.

Der Kampf gegen patriarchale Gewalt ist eine gemeinsame Aufgabe. Während wir für wirksame Schutzmassnahmen und politische Veränderungen kämpfen, bauen wir zugleich auf gegenseitige Solidarität und kollektive Fürsorge, denn unser Schutz darf nicht davon abhängen, ob staatliche Institutionen rechtzeitig handeln.

Wir nennen Yulias Namen, weil sie mehr ist als eine Zahl in der Statistik. Sie hatte ein Leben, Beziehungen, Hoffnungen und eine Zukunft, die ihr genommen wurde.

Wir trauern um Yulia. Wir vergessen sie nicht.

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Blog buendnisgegenfeminizide

Kein*e ist frei bis wir alle frei sind

Mit unserer Parole beziehen wir uns auf das Zitat von Audre Lorde: «Ich bin nicht frei, solange eine einzige Frau unfrei ist, auch wenn sie ganz andere Ketten trägt als ich. Und ich bin nicht frei, solange auch nur eine einzige Person of Color in Ketten liegt.» Es erinnert uns daran, dass es keine wirkliche Freiheit für Einzelne gibt, solange andere Menschen weiterhin Gewalt und Diskriminierung erfahren. Auch dann nicht, wenn sich einige aufgrund ihrer Privilegien frei fühlen. Das Zitat weist darauf hin, dass wir, wenn wir Feminizide wirksam bekämpfen wollen, auch Kapitalismus, Rassismus, Imperialismus, Ableismus und weitere gewaltvolle Strukturen überwinden müssen und queerfeministische, antirassistische und antikapitalistische Kämpfe miteinander verbinden müssen.

Wir können erst aufhören zu kämpfen, wenn wir es geschafft haben, alle Formen von Unterdrückung abzuschaffen. Denn solange Menschen Gewalt erleben, diskriminiert oder ermordet werden, betrifft das uns alle.

Genau deshalb ist dieses Zitat unsere Hauptparole für die Demo gegen Feminizide: Wir kämpfen nicht nur für unsere eigene Freiheit, sondern für eine Welt, in der niemand aufgrund seines Genders, seiner Identität oder race Gewalt erfahren muss. Unsere Befreiung ist untrennbar miteinander verbunden.

Audre Lorde (1934-1992) war eine Schwarze, lesbische Dichterin, Feministin und Bürgerrechtsaktivistin.

Mit ihrem Denken prägt sie feministische, antirassistische und queere Bewegungen bis heute.