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18. Feminizid in der Schweiz im Jahr 2026

Am 27. September hat ein Mann in Schmitten (GR) eine Frau getötet.

Von ihr sind nur die Umstände ihres Todes bekannt. Als Opfer eines Feminizids, den man nicht beim Namen nennen will, wurde ihre Leiche in einem auf einer Wiese parkierten Auto gefunden. Die Medien berichten, dass sie älter war, doch ihr Alter ist nicht bekannt. Man weiss, dass ihre Familie seit dem Nachmittag vergeblich nach ihr gesucht hatte.
Die feministische Gemeinschaft und alle, die sich im Kampf gegen patriarchale Gewalt engagieren, werden an sie und ihre Angehörigen denken.

Es scheint, dass das Opfer ihren Angreifer nur vage kannte. Auch wenn die Mehrheit der Feminiziden von (Ex-)Partnern begangen wird, finden zahlreiche geschlechtsspezifische Morde auch ausserhalb der Privatsphäre statt. Sie stehen manchmal im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt, sind durch die sexuelle Orientierung des Opfers motiviert oder durch eine männlich-dominante Ideologie. Alle werden nach derselben Logik des Eigentums begangen, die in unserer Gesellschaft als normal gilt. Wir haben gerade erfahren, dass die Polizei von Morges einen Polizisten eingestellt hat, der 2025 wegen häuslicher Gewalt verurteilt wurde. Das ist für eine auf dem Patriarchat basierende Institution nicht überraschend.

Erstaunlich wäre es, wenn man der Polizei weiterhin zutrauen würde, das Leben von Frauen, queeren Menschen und allen unterdrückten Personen zu schützen.
Was uns schützt, sind unsere feministischen Freund*innen, es ist die kollektive Organisation. Unterschätzen wir nicht die Kraft unserer kollektiven Stärke! Lasst uns zusammenkommen, um gemeinsam zu kämpfen und die Gesellschaft aufzubauen, von der wir träumen.

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Wer zahlt für die Sorgearbeit? Warum unser Feminismus antikapitalistisch ist

Kapitalismus bezeichnet eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, in der Produktionsmittel überwiegend in privatem Besitz sind und die Produktion auf Gewinn ausgerichtet ist. Menschen, die keine eigenen Produktionsmittel besitzen, müssen ihre Arbeitskraft verkaufen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Der erwirtschaftete Profit kommt dabei nicht allein denjenigen zugute, die ihn durch ihre Arbeit ermöglichen. Somit ist die Ausbeutung der Arbeiter*innen verbunden mit einer Spaltung der Gesellschaft in Kapitalisten und Besitzlose. Die feministische Theoretikerin Silvia Federici erweitert diese marxistische Kapitalismuskritik um die Frage nach der Reproduktionsarbeit.

Damit meint sie unter anderem Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege.

Tätigkeiten, die Menschen versorgen und die Grundlage dafür schaffen, dass Lohnarbeit überhaupt möglich ist. Diese Arbeit wird häufig unbezahlt geleistet, gesellschaftlich abgewertet und vor allem FLINTA zugeschrieben. Für Federici ist die geschlechtliche Arbeitsteilung deshalb kein Nebenschauplatz, sondern ein zentraler Bestandteil kapitalistischer Ausbeutung.

Kapitalismus und Patriarchat sind eng miteinander verwoben: Ökonomische Abhängigkeiten und die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit können Handlungsspielräume einschränken und es erschweren, sich aus gewaltvollen Verhältnissen zu lösen.

Wenn wir Feminizide und patriarchale Gewalt bekämpfen wollen, müssen wir deshalb auch die gesellschaftlichen Strukturen hinter ihnen hinterfragen.

Unser antikapitalistischer Feminismus kämpft für eine Gesellschaft, in der Sorgearbeit anerkannt und gerecht verteilt wird und in der Menschen nicht durch finanzielle Abhängigkeiten und Ausbeutung an ihrer Selbstbestimmung gehindert werden. Unsere Befreiung bedeutet auch, die Verhältnisse zu verändern, die uns voneinander abhängig machen und gegeneinander ausspielen.

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Feminizid

17. Feminizid in der Schweiz im Jahr 2026

Am 9. Juli 2026 wurde eine 56-jährige Frau vor der Rehabilitationsklinik in Faido, in der sie stationär behandelt wurde, getötet. Nach den bislang veröffentlichten Informationen handelt es sich bei dem mutmasslichen Täter um ihren Ex-Ehemann, einen 59-jährigen Mann, von dem sie seit langem getrennt war. Nachdem er auf sie geschossen hatte, floh er. Am nächsten Tag soll er bei einem Polizeieinsatz das Familienhaus in die Luft gesprengt haben.

Während sich heute ein Grossteil der medialen Aufmerksamkeit auf die Flucht und die Explosion sowie auf die „Probleme“ und den „Groll“ des Mannes angesichts der Trennung konzentriert, möchten wir die Person, die ihr Leben verloren hat, wieder in den Mittelpunkt rücken. Eine 56-jährige Frau. Eine Frau, die sich an einem Ort befand, an dem sie eigentlich gepflegt werden und sich sicher fühlen sollte.

Erste Zeugenaussagen deuten auf eine bereits seit einiger Zeit andauernde Trennung sowie auf offensichtliche Anzeichen von Gewalt in der Beziehung hin. Wir wissen, dass eine Trennung zu den Momenten gehört, in denen das Risiko am höchsten ist, wenn eine Person bereits Gewalt durch ihren (Ex-)Partner erleidet.

Deshalb ist es unerlässlich, weiterhin in Prävention, Opferschutz und die frühzeitige Erkennung von Gefahrenzeichen zu investieren. Wir sprechen allen Menschen, die diese Frau kannten und liebten, unser aufrichtiges Beileid aus. Seit Anfang des Jahres 2026 haben wir in der Schweiz bereits 17 Femizide registriert. Es handelt sich um den dritten bekannten Feminizid des Jahres im Tessin.

Wir fordern, dass diese Feminizide als solche benannt und als das anerkannt werden, was sie sind: eine Form struktureller Gewalt, die eine politische und institutionelle Reaktion erfordert, die ihrer Schwere gerecht wird. Sie dürfen nicht auf spektakuläre Kurzmeldungen reduziert und dann in die Archive verbannt werden, sobald der Medienrummel abgeklungen ist. Wirksame Präventions- und Schutzmassnahmen sind unerlässlich, um diesem Massaker ein Ende zu setzen.

Wir wollen nicht, dass diese Frau nur als „das Opfer von Faido“ in Erinnerung bleibt. Sie hatte eine Geschichte, Beziehungen, Angehörige und ein Leben, das es verdient hätte, weiterzugen.

Wir werden weiterhin jeden Feminizid nahmentlich bennenen, damit kein Opfer in Vergessenheit gerät. Wir werden weiterhin fordern, dass männliche Gewalt als strukturelles Problem anerkannt und behandelt wird. Wir werden unseren Kampf fortsetzen, damit jeder Mensch frei von patriarchaler Gewalt leben kann.

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16. Feminizid in der Schweiz im Jahr 2026

Am 8. Juli 2026 wurde eine Frau in Buchackern bei Erlen (TG) getötet.
 
Am 8. Juli wurde eine getötete Frau an ihrem Wohnort von Einsatzkräften gefunden. Sie hiess Yulia, kam aus der Ukraine und wurde mit 40 Jahren aus dem Leben gerissen.

Wir sind in Gedanken bei den trauernden Angehörigen und Freund*innen von Yulia, wir senden euch viel Kraft in dieser schweren Zeit.
 
Aus den Medien ist zu entnehmen, dass im Herbst 2025 gegen den Täter ein Annäherungsverbot verfügt wurde wegen häuslicher Gewalt.

Dass es trotz bekannter Gewalt und behördlicher Massnahmen zu dieser Tötung kommen konnte, wirft erneut die Frage auf, weshalb gewaltbetroffene FINTAs nicht wirksam geschützt werden. Häusliche Gewalt ist kein privates Problem, sondern ein gesellschaftliches und strukturelles. Wenn Warnsignale bekannt sind und Schutzmassnahmen nicht ausreichen, um Leben von FINTAs zu schützen, ist das politisches Versagen.

Feminizide geschehen nicht plötzlich. Ihnen gehen häufig Drohungen, Kontrolle, Stalking oder körperliche Gewalt voraus.

Dass Frauen und genderqueere Menschen trotz bekannter Gefährdung immer wieder ermordet werden, zeigt: Auf staatliche Schutzmassnahmen können wir uns nicht verlassen.

Wir werden deshalb nicht nur weiterhin politische Verantwortung einfordern, sondern müssen auch unsere eigenen solidarischen Strukturen stärken. Es braucht Gemeinschaften, die hinschauen, Betroffenen glauben, Warnsignale ernst nehmen und sich gegenseitig unterstützen und schützen.

Der Kampf gegen patriarchale Gewalt ist eine gemeinsame Aufgabe. Während wir für wirksame Schutzmassnahmen und politische Veränderungen kämpfen, bauen wir zugleich auf gegenseitige Solidarität und kollektive Fürsorge, denn unser Schutz darf nicht davon abhängen, ob staatliche Institutionen rechtzeitig handeln.

Wir nennen Yulias Namen, weil sie mehr ist als eine Zahl in der Statistik. Sie hatte ein Leben, Beziehungen, Hoffnungen und eine Zukunft, die ihr genommen wurde.

Wir trauern um Yulia. Wir vergessen sie nicht.

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Kein*e ist frei bis wir alle frei sind

Mit unserer Parole beziehen wir uns auf das Zitat von Audre Lorde: «Ich bin nicht frei, solange eine einzige Frau unfrei ist, auch wenn sie ganz andere Ketten trägt als ich. Und ich bin nicht frei, solange auch nur eine einzige Person of Color in Ketten liegt.» Es erinnert uns daran, dass es keine wirkliche Freiheit für Einzelne gibt, solange andere Menschen weiterhin Gewalt und Diskriminierung erfahren. Auch dann nicht, wenn sich einige aufgrund ihrer Privilegien frei fühlen. Das Zitat weist darauf hin, dass wir, wenn wir Feminizide wirksam bekämpfen wollen, auch Kapitalismus, Rassismus, Imperialismus, Ableismus und weitere gewaltvolle Strukturen überwinden müssen und queerfeministische, antirassistische und antikapitalistische Kämpfe miteinander verbinden müssen.

Wir können erst aufhören zu kämpfen, wenn wir es geschafft haben, alle Formen von Unterdrückung abzuschaffen. Denn solange Menschen Gewalt erleben, diskriminiert oder ermordet werden, betrifft das uns alle.

Genau deshalb ist dieses Zitat unsere Hauptparole für die Demo gegen Feminizide: Wir kämpfen nicht nur für unsere eigene Freiheit, sondern für eine Welt, in der niemand aufgrund seines Genders, seiner Identität oder race Gewalt erfahren muss. Unsere Befreiung ist untrennbar miteinander verbunden.

Audre Lorde (1934-1992) war eine Schwarze, lesbische Dichterin, Feministin und Bürgerrechtsaktivistin.

Mit ihrem Denken prägt sie feministische, antirassistische und queere Bewegungen bis heute.

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Blog buendnisgegenfeminizide

Die verankerten Strukturen des Patriarchats

Das Patriarchat ist eine Gesellschaftsform, in der cis-Männer die Vorherrschaft vor allen anderen Geschlechtern haben. Dadurch haben Männer Macht in Politik, Familie, Kultur und Wirtschaft und kontrollieren soziale Beziehungen, Werte und Normen. Im Umkehrschluss werden Menschen, die der patriarchalen Männlichkeit nicht / entsprechen, systematisch unterdrückt.

So werden FLINTA* Personen schlechter bezahlt und übernehmen mehr unbezahlte Sorgearbeit, weibliche Sexualität und Reproduktion wird kontrolliert.

Patriarchale Strukturen sind keine individuellen Einstellungen, sie sind auch heute noch institutionell verankert und prägen uns alle.

Diese Machtstrukturen führen zu patriarchaler Gewalt gegen FLINTA* Personen, die von Männern ausgeübt wird.

Dazu gehören unter anderem psychische, physische, und sexualisierte Gewalt sowie gesellschaftliche Diskriminierung.

Die tödliche Spitze dieser Gewalt sind Feminizide. Patriarchale Gewalt wird verstärkt durch Schweigen, Stigmatisierung, fehlende Prävention und fehlenden Schutz für Betroffene.

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buendnisgegenfeminizide Veranstaltung

Nationwide demonstration against feminicides in Zurich

No one is free until we are all free. Together and revolutionary against feminicides and patriarchal violence. Nationwide demonstration in Zurich.

When
Saturday, 24 October 2026, from 4 pm
Where
Ni-Una-Menos-Platz
(formerly Helvetiaplatz)
Helvetiaplatz, 8004 Zürich
Get directions

A feminicide every two weeks

Every two weeks, a feminicide is committed in Switzerland. This means that a woman or genderqueer person is murdered solely because of their perceived gender. Politicians, the justice system and the media trivialise these murders and protect the perpetrators. Preventive measures to stop feminicides are lacking.

Patriarchy

Behind the violence against women and genderqueer people lie systems such as patriarchy. Patriarchy is a social system in which cis men hold dominant power in politics, the economy and the family. This makes patriarchy a system of exploitation, oppression and violence. It is closely linked to other systems of oppression. Patriarchy, capitalism, imperialism and racism influence and reinforce one another. These systems can only be destroyed by connecting our struggles. That is why our feminist resistance is intersectional, revolutionary and anti-capitalist. That is why we say: No one is free until we are all free!

Nationwide demonstration

That is why we are calling for a nationwide demonstration against feminicides. Let’s take the streets of Zurich on 24 October 2026 at 4 pm, because we are furious that patriarchy takes people from us again and again!

Ni una menos! Not one less!

Additional information

  • Who: Open to everyone 💜
  • The demonstration has been authorised

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buendnisgegenfeminizide Ni Una Menos ZH Aktuelles Veranstaltung

Schweizweite Demo gegen Feminizide 24.10.2026, Zürich

Keine* ist frei, bis wir alle frei sind – gemeinsam revolutionär gegen Feminizide und patriarchale Gewalt.

Wann
Samstag, 24. Oktober 2026, ab 16:00 Uhr
Wo
Ni-Una-Menos-Platz
(ehem. Helvetiaplatz)
Helvetiaplatz, 8004 Zürich
Route planen

Alle 2 Wochen ein Feminizid

Alle 2 Wochen wird in der Schweiz ein Feminizid begangen. Dies bedeutet, dass eine Frau oder genderqueere Person ermordet wird, nur aufgrund des gelesenen Genders. Politik, Justiz und die Medien verharmlosen diese Morde und schützen Täter*innen. Es fehlen präventive Massnahmen zur Verhinderung von Feminiziden.

Das Patriarchat

Hinter der Gewalt an Frauen und genderqueeren Personen stehen Systeme wie: das Patriarchat. Das Patriarchat ist ein gesellschaftliches System, in dem Cis-Männer die vorherrschende Macht in Politik, Wirtschaft und Familie halten. Dadurch ist das Patriarchat ein System von Ausbeutung, Unterdrückung und Gewalt. Es ist eng verknüpft mit anderen Unterdrückungssystemen. Das Patriarchat, Kapitalismus, Imperialismus und Rassismus beeinflussen und bedingen sich gegenseitig. Diese Systeme können nur zerstört werden, indem wir die Kämpfe miteinander verbinden. Deshalb ist unser feministischer Widerstand intersektional, revolutionär und antikapitalistisch, deshalb sagen wir: Keine* ist frei, bis wir alle frei sind!

Schweizweite Demo

Deshalb rufen wir zu einer schweizweiten Demo gegen Feminizide auf. Nehmen wir uns am 24.10.2026 um 16:00 Uhr in Zürich die Strasse, denn wir sind wütend, dass uns das Patriarchat wieder und wieder Menschen nimmt!

Ni una menos! Nicht eine* weniger!

Zusätzliche Informationen

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Patriarchale Gewalt gemeinsam bekämpfen: Ni Una Menos, Frauenhaus und Mädchenhaus Zürich

NI UNA MENOS ZÜRICH

Patriarchale Gewalt

Wir als Ni Una Menos Kollektiv machen patriarchale Gewalt auf der Strasse sichtbar und schaffen Räume der kollektiven Wut und Trauer. Wir reagieren im Nachhinein, wenn eine von uns ermordet wurde.

Das Frauen- und Mädchenhaus Zürich arbeiten im Vorfeld. Sie bieten Schutzräume und Prävention, um patriarchale Gewalt zu verhindern. Auch wenn unsere Kämpfe an unterschiedlichen Punkten anknüpfen, gehören sie zusammen und ergänzen einander, denn so schützen wir uns kollektiv.

Am 21. August 2026 standen wir gemeinsam als Ni Una Menos auf dem Ni Una Menos-Platz mit Redebeiträgen vom Frauenhaus Zürich, Mädchenhaus Zürich und dem feministischen Streikkollekiv Thurgau.

Frauenhaus Zürich

Redebeitrag von Anja Derungs, Geschäftsführerin Frauenhaus Zürich

Das Hauptrisiko für Frauen, getötet zu werden, geht von einem Menschen aus, den sie kennen: vom eigenen Mann, Partner, Ex-Partner, Bruder, Schwager oder Freund – in einer bestehenden oder aufgelösten Beziehung. Feminizide passieren nicht einfach aus heiterem Himmel. Sie haben System. Es ist ein System, das Frauen missachtet, erniedrigt, tötet. Der Nährboden dafür ist unsere patriarchale Gesellschaft und fehlende Gleichstellung.

Die Frauenhausbewegung hat Gewalt gegen Frauen zu einem gesellschaftlichen Thema gemacht und die Gründung von Frauen- und Mädchenhäusern vorangetrieben. Im Frauenhaus und im Mädchenhaus finden Frauen, Mädchen und ihre Kinder Zuflucht, Schutz, Beratung und Begleitung, Unterkunft und einen sicheren Ort.

Was dieser Ort bedeuten kann, zeigt uns der Brief einer Klientin. Sie hat mir erlaubt, aus ihren Zeilen vorzulesen. Ich zitiere:

Die Zeit im Frauenhaus war für mich weit mehr als nur eine Unterkunft. Sie war ein Ort, an dem ich nach einer schweren Zeit wieder atmen, zur Ruhe kommen und langsam wieder zu mir selber finden konnte.

Hier lernte ich nicht nur Schutz und Sicherheit zu spüren, sondern vor allem Menschen, die mir mit echter Herzlichkeit, Verständnis und Mitgefühl begegnet sind.

(Auslassung im Originalbrief)

Und weiter:

In vielen Gesprächen, Momenten voller Zweifel und Angst, habt ihr mir zugehört, mich ernst genommen und mir das Gefühl gegeben, nicht allein zu sein.

(Auslassung im Originalbrief)

Und zum Schluss schreibt sie – ich zitiere wieder:

Ich bin unendlich dankbar für jedes Gespräch, jedes offene Ohr, jedes aufmunternde Lächeln, jeder ehrliche Ratschlag und jede Unterstützung, die ich in dieser schweren Lebensphase erfahren durfte. Durch euch habe ich langsam wieder Vertrauen gefasst, neue Stärke gefunden und begonnen, mich selbst und meine Zukunft zu glauben. Diese Zeit im Frauenhaus hat mich geprägt und mir die Kraft gegeben, meinen Weg gestärkt weiterzugehen. Danke an jede einzelne Person, die dazu beigetragen hat. Ihr habt einen Unterschied in meinem Leben gemacht.

Der Brief ist noch viel länger und er berührt mich jedes Mal wieder – vielen Dank an die Verfasserin! Und vielen Dank an alle Mitarbeitenden in den Frauen- und Mädchenhäuser für eure unverzichtbare Arbeit.

Auch allen Betroffenen und Überlebenden gebührt unser Respekt für ihren Mut, für ihren Widerstand gegen das patriarchale System. Ich habe oft erlebt, wie die Gewalt vor allem dann zunimmt, wenn die Frauen und Mädchen sich emanzipieren und selbstständiger werden. Und dennoch: «La femme libre», die freie Frau, ist unser Ziel.

Feminizide zu verhindern ist unbequem. Wenn wir sie verhindern wollen, müssen wir aus unserer Komfortzone raus, wir müssen das ganze System, in dem wir leben, in Fragen stellen.

«Das Patriarchat ist keine Religion, es ist kein Naturgesetz, es ist ein politisches System», sagt Rita Segato, eine der wichtigsten feministischen Intellektuellen Lateinamerikas.

Feminizide zu bekämpfen, bedeutet, dass manche Menschen ihre Privilegien und ihre Macht abgeben müssen. Widerspruch zu erheben, Verantwortung zu übernehmen, kostet Energie und Kraft.

Das Ausbrennen von Feministinnen und feministischen Aktivist*innen, oft als „Feminist Burnout“ bezeichnet, ist ein weit verbreitetes, strukturelles Problem. Es beschreibt die tiefe emotionale, geistige und körperliche Erschöpfung von Menschen, die sich gegen patriarchale Strukturen und für Gleichberechtigung und Gleichstellung einsetzen.

Deshalb darf der Kampf gegen Feminizide kein Kampf einzelner Frauen sein. Und deshalb sind wir hier und heute so viele.

Feminizide gehen uns alle an. Wir müssen alle gemeinsam alles daran setzen, Feminizide zu verhindern.

Der Kampf um körperliche Selbstbestimmung und auf ein Leben ohne Gewalt ist kein Wunsch, sondern ein Recht, ein Anspruch. Ein Anspruch an den Staat, seine Institutionen, die Politik, die Gesellschaft, an uns alle. Wenn wir nichts tun, machen wir uns zu Kompliz*innen.

Ni una menos. Keine mehr.

Mädchenhaus Zürich

Redebeitrag vom Mädchenhaus Zürich

Das Mädchenhaus Zürich richtet sich an Mädchen und junge Frauen zwischen 14 und 20 Jahren, die struktureller patriarchaler Gewalt ausgesetzt sind und Schutz brauchen. Nicht irgendwann. Nicht erst dann, wenn die Gewalt weiter eskaliert. Sondern jetzt.

Das Mädchenhaus Zürich bietet derzeit sieben Plätze an einem geheimen Ort. Einen Ort, an dem Mädchen Schutz vor weiterer Gewalt finden. Einen Ort für rechtliche Abklärungen, Stabilisierung und Zukunftsplanung.

Im Jahr 2025 konnten wir 37 Mädchen einen Platz anbieten. Diese Zahl zeigt, wie dringend Schutzplätze gebraucht werden. Aber es ist vor allem eine Zahl, die uns aufschreien lassen muss: 108 Mädchen und junge Frauen haben bei uns Schutz gesucht und keinen Platz gefunden. Das ist nicht hinnehmbar. Schutz vor Gewalt darf keine Frage der Kapazität sein.

Deshalb sind wir heute hier. Wir machen sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt: die Gewalt, die fehlenden Schutzplätze, die politische Verantwortung. Wir fordern mehr Prävention, mehr Schutz, mehr politische Aufmerksamkeit im Bereich häuslicher Gewalt.

Warum braucht es politische Sichtbarkeit?

  • Weil wir in der Schweiz zu wenig Schutzplätze haben
  • Weil wir oft damit ringen, wem wir den letzten Platz geben
  • Weil Mädchen und junge Frauen den höchsten Anteil an Opfern häuslicher Gewalt ausmachen
  • Weil das Kinderspital Zürich 2025 deutlich mehr Fälle von Kindesmisshandlung meldete
  • Weil digitale Gewalt vor allem junge Menschen betrifft
  • Weil die Anzahl der Feminizide dieses Jahr stark angestiegen ist
  • Weil der Bund 1 Milliarde Franken in die Aufrüstung steckt und 1 Million Franken für die Bekämpfung von Gewalt an Frauen aus dem Budget streicht

Wir sprechen heute über Zahlen. Aber hinter jeder Zahl steht ein Mädchen. Ein Mädchen mit Angst, mit Wünschen, mit Hoffnungen und mit dem Recht auf ein Leben ohne Gewalt.

Wir haben die Mädchen gefragt, was sie sich wünschen. Was sie erwarten. Worauf sie hoffen. Das haben sie uns gesagt:

«Ich finde es unfair, dass es zu wenig Schutzplätze für Mädchen gibt.»

«Ich wünsche mir, dass Mädchen nicht zu Spielzeugen von Männern werden und in jungen Jahren verheiratet werden.»

«Ich erwarte, dass meine Eltern freundlich sind, wenn ich verliebt bin, und mich nicht schlagen.»

«Ich erwarte, dass Kinder keine Angst vor Erwachsenen haben müssen.»

«Ich erwarte, dass Mädchen lernen, Nein zu sagen.»

Daher kommt auch unser Motto: Girls Say No.

  • Girls say no zu Gewalt.
  • Girls say no zu Rassismus.
  • Girls say no zu Diskriminierung.
  • Girls say no zu Ausgrenzung.
  • Girls say no zu einer Gesellschaft, die Mädchen nicht schützt.
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Weshalb wir Feminizide ins Zentrum unseres Kampfs stellen

Feminizide sind das tödliche Resultat einer frauen- und queerfeindlichen Gesellschaft, in der patriarchale Besitz- und Kontrollansprüche gegenüber feminisierten Personen tief verankert sind.

In den allermeisten Fällen finden Feminizide in der Schweiz im familiären-heterosexuellen Umfeld statt: Ex-Partner, Partner, Söhne, Väter, Schwiegerväter, Grossväter töten Ehefrauen, Partnerinnen, Töchter, Schwestern und Enkelinnen, weil sie das Gefühl haben, es steht ihnen zu, die Kontrolle über Frauen zu haben und über ihre Leben zu bestimmen.

Wie viele Frauen bleiben in einer gewaltvollen Beziehung, weil sie Angst haben, von ihren Partnern getötet zu werden?

Möglich sind Feminizide in einer Gesellschaft, in der die Leben von Frauen, Lesben, intergeschlechtlichen, nichtbinären, transgeschlechtlichen und agender Personen für weniger wert angesehen werden.

Die Morde an FLINTA-Personen lassen sich als die tödliche Spitze eines Eisberges patriarchaler Gewalt beschreiben: Bei einem Eisberg sehen wir einen grossen Teil nicht sogleich, da er sich unter der Wasseroberfläche befindet. Das gilt auch für die patriarchale Gewalt, die in unserer Gesellschaft tief verankert ist und unzählige Gesichter hat.

Zu diesem Eisberg gehören beispielsweise auch schlecht oder nicht bezahlte Care-Arbeit, Vergewaltigungen, Missbrauch, Übergriffe, Belästigungen, Stalking, psychische Gewalt, sexistische Witze, queerfeindliche Sprüche oder Mansplaining1.

Mit unserem Kampf wollen wir aufzeigen, dass die Ermordungen von FLINTA-Personen weder Privatsachen noch Einzelfälle sind. Ihnen liegt ein ganzes System zugrunde – ein System namens Patriarchat, das Hand in Hand mit Kapitalismus und Rassismus unterdrückt und tötet.

Uns als Ni Una Menos Zürich ist es wichtig, die lebensgefährliche Realität für FLINTA-Personen ins kollektive Bewusstsein zu bringen. Denn patriarchale Gewalt geht uns alle an. Unser feministischer Kampf ist vielfältig: Wir schreien laut, benennen und zählen Feminizide, wir organisieren Kundgebungen, Aktionen, Demonstrationen und Vorträge.

Kommt an unsere Kundgebung am 21. August!

🔗💥💜💥

Wann: 19:00 Uhr

Wo: Ni Una Menos-Platz (ehem. Helvetiaplatz), Zürich

Mit Redebeiträgen vom Frauen- und Mädchenhaus Zürich.

  1. Mansplaining: kommt vom Englischen, übersetzt wäre es ‚Herrerklärung‘ – es tritt ein, wenn ein Mann automatisch davon ausgeht, dass er aufgrund seines Geschlechts mehr über ein Thema weiss als die weiblich gelesene Person gegenüber. ↩︎