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Feminizid

17. Feminizid in der Schweiz im Jahr 2026

Am 9. Juli 2026 wurde eine 56-jährige Frau vor der Rehabilitationsklinik in Faido, in der sie stationär behandelt wurde, getötet. Nach den bislang veröffentlichten Informationen handelt es sich bei dem mutmasslichen Täter um ihren Ex-Ehemann, einen 59-jährigen Mann, von dem sie seit langem getrennt war. Nachdem er auf sie geschossen hatte, floh er. Am nächsten Tag soll er bei einem Polizeieinsatz das Familienhaus in die Luft gesprengt haben.

Während sich heute ein Grossteil der medialen Aufmerksamkeit auf die Flucht und die Explosion sowie auf die „Probleme“ und den „Groll“ des Mannes angesichts der Trennung konzentriert, möchten wir die Person, die ihr Leben verloren hat, wieder in den Mittelpunkt rücken. Eine 56-jährige Frau. Eine Frau, die sich an einem Ort befand, an dem sie eigentlich gepflegt werden und sich sicher fühlen sollte.

Erste Zeugenaussagen deuten auf eine bereits seit einiger Zeit andauernde Trennung sowie auf offensichtliche Anzeichen von Gewalt in der Beziehung hin. Wir wissen, dass eine Trennung zu den Momenten gehört, in denen das Risiko am höchsten ist, wenn eine Person bereits Gewalt durch ihren (Ex-)Partner erleidet.

Deshalb ist es unerlässlich, weiterhin in Prävention, Opferschutz und die frühzeitige Erkennung von Gefahrenzeichen zu investieren. Wir sprechen allen Menschen, die diese Frau kannten und liebten, unser aufrichtiges Beileid aus. Seit Anfang des Jahres 2026 haben wir in der Schweiz bereits 17 Femizide registriert. Es handelt sich um den dritten bekannten Feminizid des Jahres im Tessin.

Wir fordern, dass diese Feminizide als solche benannt und als das anerkannt werden, was sie sind: eine Form struktureller Gewalt, die eine politische und institutionelle Reaktion erfordert, die ihrer Schwere gerecht wird. Sie dürfen nicht auf spektakuläre Kurzmeldungen reduziert und dann in die Archive verbannt werden, sobald der Medienrummel abgeklungen ist. Wirksame Präventions- und Schutzmassnahmen sind unerlässlich, um diesem Massaker ein Ende zu setzen.

Wir wollen nicht, dass diese Frau nur als „das Opfer von Faido“ in Erinnerung bleibt. Sie hatte eine Geschichte, Beziehungen, Angehörige und ein Leben, das es verdient hätte, weiterzugen.

Wir werden weiterhin jeden Feminizid nahmentlich bennenen, damit kein Opfer in Vergessenheit gerät. Wir werden weiterhin fordern, dass männliche Gewalt als strukturelles Problem anerkannt und behandelt wird. Wir werden unseren Kampf fortsetzen, damit jeder Mensch frei von patriarchaler Gewalt leben kann.